-- Ennio Morricone

März 1999



Aus der Serie
Meine Lieblingsplatte
Heute:

The Nuova Consonanza
„ ... e poi?“

Deutsche Grammophon Avantgarde 643541

Dass Ennio Morricone neben seiner Arbeit an Filmen auch als Komponist ernster Musik hervorgetreten ist, dürfte nicht nur in Italien bekannt sein. Dass er aber auch in der italienischen Avantgarde der neuen Musik eine Rolle spielte, ist schon eher ein kleines Geheimnis.

Das liegt nicht zuletzt daran, daß die Platten der Gruppe Nuova Consonanza inzwischen zu gesuchten Raritäten gehören. Auch dieser Ausflug der Deutschen Grammophon in die neue Musik der 60er Jahre macht hier keine Ausnahme, das Experiment mit der Avantgarde wurde von der Plattenfirma bald wieder aufgegeben (und bis heute nicht wieder aufgelegt).

Nuova Consonanza wurde 1964 von Franco Evangelisti gegründet, seit Ende der 50er Jahre einer der wichtigsten italienischen modernen Komponisten. Zu den Credos der Gruppe gehörte, daß jedes Mitglied nicht nur sein Instrument beherrschte, sondern auch als Komponist tätig sein sollte. Zu Nuova Consonanza gehörten u.a. Mario Bertonicini, sowie zeitweise Roland Kayn und Frederic Rzewski. Von Anfang an dabei war Ennio Morricone, der Trompete spielte. Die Gruppe spielte frei improvisierte Musik, was sie von den anderen Improvisationsgruppen der 60er und 70er unterschied, war der Versuch, das freie Spiel immer als unmittlelbare Stegreifkomposition zu verstehen und zu entwickeln. Nuova Consonanza verband als eines der ersten Ensembles akustische mit elektronischen Instrumenten, zusammen mit einem manchmal minimalistischen Hang zur Selbstbeschränkung machte sie dies zu einer der interessantesten experimentellen Gruppen ihrer Zeit.

Franco Evangelisti starb 1980, Nuova Consonanza existiert heute als Associazione per la musica contemporanea, organisiert ein jährliches Festival und führt ein Archiv.