-- Sex, drugs & crime on vinyl

Februar 1999



Aus der Serie
Meine Lieblingsplatte
Heute:

Freddie Redd Quartet
with Jackie McLean
The The Music from
The Connection

Blue Note 84027
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Das Theaterstück The Connection von Jack Gelber entstand 1957 und wurde zwei Jahre später uraufgeführt. Von Anfang an hatte der Autor Jazz als einen integralen Bestandteil des Stückes gesehen, nicht als musikalische Untermalung, sondern als lebendigen Part, dargestellt von echten Musikern. Mehrere Protagonisten warten auf ihre connection, auf ihren Dealer, der sie mit Heroin versorgt. Ihre Situation wird gezeigt, unspektakulär, aber für damalige Verhältnisse, 1959, eher gewagt und sehr umstritten. Einer der Charaktere wird sich am Schluß den goldenen Schuß setzen, ausweglos, die Musiker spielen O.D., overdose.

Die Jazzer agierten auf der Bühne sowohl als Musiker als auch als Schauspieler, sie traten unter ihren richtigen Namen auf, spielten sich fast selbst. Der bekannteste unter ihnen war der Altsaxophonist Jackie McLean. Ihn sahen viele als einen möglichen Nachfolger Charlie Parkers, er steht auch wie viele anderen Musiker dieser Zeit unter seinem Einfluß, entwickelte dabei aber eine überzeugende eigene Stimme, zu hören u.a. auf einigen Miles Davis und Charlie Mingus Alben, wie auch auf den swingenden Hardbop Nummern seiner eigenen Platten oder auch hier bei connection.
Beklemmend an diesen Zusammenhängen ist die Tatsache, daß McLean tatsächlich sich selbst spielt. Er hatte einige Jahre mit seiner Drogensucht zu kämpfen, die ihm ein Großteil seiner kreativen Energie kostete. Auch darin ähnelte er seinem großen Vorbild Parker, den seine Heroinsucht letztendlich zugrunde richtete. Dennoch gab es Musiker, die meinten, nur wenn man auch in dieser Hinsicht ‘mithält’, erreicht man auch die gleichen Höhen, der Trompeter Red Rodney, der als sehr junger Musiker mit Parker spielte, hat sich so bewußt in die Sucht begeben.

Die Rolle der Drogen in der Geschichte des Jazz wird in der einschlägigen Literatur nach wie vor kaum erwähnt. Euphemistisch ist immer wieder von ‘musikalischer Inaktivität’ der Musiker die Rede, ohne jedoch die wahren Gründe zu nennen. Ekkehard Jost ist in seiner Sozialgeschichte des Jazz in den USA als einer der wenigen auf diesen Sachverhalt eingegangen. Danach zeigt sich, daß außerordentlich viele Jazzer in der Zeit des Bebop, des Cool und Hardbop in Drogenabhängigkeit gerieten. Nicht nur Charlie Parker starb mit 34 Jahren sehr jung, Bud Powell wurde 43, Fats Navarro 26, Serge Chaloff 33, die Liste ließe sich weiter fortführen.

Zu den vielfältigen Hintergründen des Drogenkonsums schreibt Ross Russell in seiner Charlie Parker Biographie Bird Lives!: Drogen linderten den Druck, unter dem er wegen des Mangels an regelmäßiger Arbeit litt, wegen des Desinteresses der Öffentlichkeit an seiner Musik, wegen der widersprüchlichen, ja lächerlichen Rolle, die er spielte, indem er als kreativer Künstler in einem Nachtklub komponierte und improvisierte. Drogen warfen einen Schleier über die Restaurants mit den schmierigen Bestecken und die billigen Absteigen mit ihren ungefegten Treppen und ihren übelriechenden Außentoiletten ... Heroin wurde für ihn zum täglichen Brot ...

Wo Jazzmusiker waren, waren auch die Dealer. Gerry Mulligan: Ich bin ziemlich sicher, daß die Probleme, die ich und meine Gruppe mit den Drogen hatte, zum Teil daher rührten, wie wir mit ihnen bekannt gemacht wurden. Wenn es da nur irgendeine Art von Information gegeben hätte, einen Methode, durch die wir verstanden hätten, was in unseren Körpern vor sich geht. Statt dessen mußten wir heimlich und illegal nach Drogen suchen.

Der Hintergrund ist ein Anderer als später in der Pop- und Rockmusik, in der viele Musiker im Gegensatz zu den Jazzern mit dem wachsenden Erfolg nicht zurecht kamen, der Effekt ist der gleiche: I’ve seen the needle and the damage done, a little part of it in everyone, and ev’ry junky’ s like a setting sun (Neil Young)
Jackie McLean konnte sich den Drogen entziehen, ist nach wie vor als Musiker und vor allem als Lehrer aktiv. The Connection wurde im legendären von Judith Malina und Julian Beck geleiteten Living Theatre in Manhatten gespielt, unter der Regie von Malina.